Keine 14 Tage nach Schloss Langenburg trafen sich Mitglieder des Lotus-Club-Deutschland zum großen Mosel-Event. Groß, weil es sich um ein vier-Tages Treffen handelte, aber auch weil eine ganze Reihe von Programmpunkten geplant waren. Die Organisatoren Anja und Michael Fuchs hatten bereits bei unserem legendären Prag-Event bewiesen, dass sie ihre Event-Planungen mit viel Liebe zum Detail durchführen. Die Messlatte lag also entsprechend hoch.
Die individuelle Anreise erfolgte bei mittelprächtigem Wetter am Donnerstag, 11. Juni. Unser Ziel war der rund 1.300 Einwohner zählende Ort Lieser. Der traditionsreiche Weinort an der Mittelmosel ist vor allem für sein imposantes Schloss und seine 2000-jährige Weinbautradition bekannt und liegt in direkter Nachbarschaft zur weltberühmten Stadt Bernkastel-Kues. Das Hotel und Weinhaus Stettler war für die folgenden vier Tage unsere Basis. Obwohl sich das Wetter nicht gerade von seiner Sonnenseite zeigte war die Hotelterrasse mit ihrem unverbauten Blick auf die Mosel ein beliebter Treffpunkt für die Neuankömmlinge.
Am Abend wartete das erste Event-Highlight auf die Teilnehmer. Im benachbarten Schloss Lieser wartete ein ausgezeichnetes vier-Gänge-Menü auf uns. Die beiden Kellner, Philipp und Eduard, umsorgten uns freundlich, geradezu liebevoll, aber nicht aufdringlich im schönen Ambiente des alt-ehrwürdigen fünf Sterne Hauses. Die Atmosphäre war angenehm locker, also keinesfalls steif.
Zum Abschluss unseres ersten Abends besuchten wir die gemütliche Puricelli Bar & Lounge von Schloss Lieser, um die eine oder andere „Kaltschale“ zu genießen. Die Bar ist benannt nach der Gründerfamilie des historischen Anwesens.
Der Freitag begrüßte uns mit bedrohlichen Wolken und im Tagesverlauf regnete es ab und an, aber es gab auch trockene Phasen. Das Wetter war also besser als ursprünglich prognostiziert. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel Stettler, mit großer Auswahl an kleinen Köstlichkeiten vom Buffet, war die Zeit für unsere erste Rundfahrt gekommen. Die Fahrzeugbesatzungen wurden mit aufwendig gestalteten Roadbooks versorgt. Die gesamten Routen standen den Teilnehmern aber auch digital zur Verfügung.
Ein erster kurzer Halt wurde am Zylinderhaus in Bernkastel-Kues eingelegt. Über das Zylinderhaus werden wir später noch mehr erfahren.
Unser nächstes Ziel war der 150 Meter lange „Skywalk Moselblick“. Es handelt sich um eine spektakuläre Aussichtsplattform. Das markante Bauwerk ist in der Form eines Bumerangs gestaltet. Es befindet sich auf den Höhen oberhalb von Zeltingen-Rachtig und dem im Tal liegenden Kloster Machern. Von der Plattform aus bietet sich den Besuchern ein spektakulärer Panoramablick über die Kulturlandschaft der Mittelmosel. Außerdem hat man von dort die perfekte Perspektive auf das monumentale, rund 160 Meter hohe Bauwerk der Hochmoselbrücke. Trotz der mäßigen Sicht aufgrund der Wetterlage war es ein eindrückliches Erlebnis. Aber die Organisatoren mahnten zum Aufbruch, denn wir hatten einen weiteren Termin.
Während der Etappe regnete es leicht, aber Petrus hatte ein Einsehen. Als wir nach kurvenreicher Fahrt am nächsten Ziel eintrafen, war die Straße fast wieder trocken. Wir wurden am Parkplatz der bekannten Panoramastraße oberhalb der Moselschleife bei Minheim bereits erwartet. Der Platz gilt als einer der schönsten Haltepunkte an der gesamten Mosel, da sich von hier das Panorama weit öffnet. Der Blick schweift über die weiten Schleifen des Flusses, über die typischen Weinbaudörfer, über ausgedehnte Wälder und über die steil terrassierten Rebenlandschaften. Fleißige Helfer hatten einen Sektempfang für uns vorbereitet. Selbstverständlich gab es auch nichtalkoholische Getränke. Kleine Wurst- und Käsehäppchen rundeten das Programm stimmig ab.
Eigentlich war der nächste Zwischenstopp im Biergarten von Kloster Machern geplant, doch während der Anfahrt fiel die Entscheidung, dass die fortgeschrittene Stunde dies leider nicht mehr zulasse. Bis die Nachricht über die kurzfristige Planänderung bei allen Teilnehmern ankam, verursachte unser Tross auf der Zufahrt zum Klosterparkplatz während der Wendemanöver ein kleines Verkehrschaos. Das ist der Stoff für Geschichten, die gerne abends an der Hotelbar kolportiert werden.
Das nächste Ziel war nun das vorhin bereits erwähnte Zylinderhaus. Es ist ein Erlebnismuseum für Oldtimer und Nostalgie, das die deutsche Automobil- und Alltagsgeschichte der 1930er bis 1970er Jahre wiederaufleben lässt. Es wurde von dem Auto-Liebhaber Bernd Benninghoven ins Leben gerufen. In drei Etagen auf rund 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bietet es weit mehr als nur eine reine Fahrzeugsammlung. Von außen besticht das Gebäude durch eine markante Klinkerfassade im Stil einer historischen Fabrik aus der Gründerzeit. Die ausgestellten Fahrzeuge sind teilweise in authentische Straßenzüge eingebettet. Wir schlenderten vorbei an originalgetreuen Nachbildungen historischer Ladenzeilen, darunter eine alte Dorfapotheke, ein Tante-Emma-Laden, ein Spielwarengeschäft, eine Fahrschule, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Ein Mitarbeiter des Museums führte unsere Gruppe durch die heiligen Hallen und erzählte allerlei Anekdoten aus der guten, alten Zeit. Bei der Begrüßung meinte er, die Dauer der Führung hinge stark vom Interesse der jeweiligen Gruppe ab. Wenn er nur noch in tote Augen schaue, dann würde er im Regelfall den Rundgang beenden. Unsere Truppe zeigte großes Interesse und hatte viel Ausdauer. Nur die Tatsache, dass im Zylinderhaus Restaurant das Abendessen auf uns wartete, sorgte nach etwa zwei Stunden für das Ende der informativen Führung.
Das Restaurant Zylinderhaus bietet ein schönes Ambiente und der Service ist tadellos. Die pfiffigen Mitarbeiter vermitteln das Gefühl, dass es ihnen große Freude bereitet, die Gäste zu umsorgen. Wir bestellten à la carte und alle waren mit der Qualität der Speisen sehr zufrieden. Die Rückfahrt in unser Domizil dauerte nicht lange und der harte Kern unserer Gruppe entschied sich für einen Einkehrschwung in die Bar von Schloss Lieser, um den Abend angemessen ausklingen zu lassen.
Der Samstag war der fahraktivere Tag. Endlich schien die Sonne und die Regenwahrscheinlichkeit tendierte gegen Null. Unsere Route führte weg von der Mosel, um die Schönheiten der Eifel zu erkunden. Nach dem Frühstück wurden pünktlich um 10:00 h die Motoren gestartet.
Die erste Etappe führte uns zum Vulkanhaus Strohn. Es ist ein kleines Museum in der Vulkaneifel, das die feurige Entstehungsgeschichte der Region begreifbar macht. Wir beschränkten uns allerdings darauf, dort einen schnellen Café auf der Terrasse zu genießen. Anschließend blieben unsere Fahrzeuge erst einmal stehen und wir besuchten zu Fuß die nahegelegene Lavabombe. Der berühmte 120-Tonnen-Koloss wird auch als „falsche Lavabombe“ bezeichnet, weil dieser Brocken niemals durch die Luft flog. Strohner Bürger zogen sie im Winter 1980/81 mithilfe einer Planierraupe auf einer Eisenplatte aus einem Steinbruch über die Schneedecke an den heutigen Standort. Ihre Entstehung war lange umstritten und kann mittlerweile dort anschaulich nachgelesen werden.
Mit diesen neuen Eindrücken bestiegen wir wieder unsere Fahrzeuge, um das Pulvermaar zu besuchen. Es ist mit einer maximalen Wassertiefe von 74 Metern der tiefste Maarsee der Vulkaneifel und somit auch das tiefste natürliche Binnengewässer Deutschlands außerhalb der Alpenregion. Der fast kreisrunde, glasklare Kratersee entstand vor rund 23.000 Jahren durch eine gewaltige Wasserdampf-Explosion, bei der aufsteigendes Magma auf wasserführende Gesteinsschichten traf. Das Pulvermaar liegt südöstlich von Daun und ist heute ein beliebtes Freizeitparadies. Nach kurzer Verweildauer hatten wir unser nächstes Ziel im Visier, das Ulmener Maar.
Beim Ulmener Maar handelt es sich um den jüngsten Vulkan Deutschlands. Das Maar befindet sich direkt bei der Stadt Ulmen. Entstanden ist der wassergefüllte Kratersee vor rund 10.900 Jahren während des letzten vulkanischen Ausbruchs auf deutschem Boden. Im Gegensatz zum Pulvermaar war hier unser Parkplatz nicht direkt am See. Erst als wir über einen schmalen und steil abschüssigen Trampelpfad durch den Wald gewandert waren, erschloss sich das Naturschauspiel vor unseren Augen. Mitten im See aufsteigende Gasblasen zeugen noch heute von der vulkanischen Vergangenheit. Diese Blasen stammen aus dem oberen Erdmantel tief unter der Eifel. Es handelt sich dabei um magmatische Gase, die hauptsächlich aus Kohlendioxid bestehen. Diese permanenten CO₂-Austritte werden in der Geologie als Mofetten bezeichnet. Ein weiterer spektakulärer Höhepunkt ist der Ulmener Maar-Stollen.
Der 126 Meter lange Tunnel verbindet das Ulmener Maar und den Jungferweiher unterirdisch miteinander. Ursprünglich als mittelalterliche Wasserleitung erbaut, dient er heute als begehbares, geologisches Denkmal und touristisches Highlight der Stadt Ulmen. Ein Gang durch den beleuchteten Stollen gleicht einem Querschnitt durch das Innere eines Vulkans. Entlang der Tunnelwände lassen sich Jahrtausende der Erdgeschichte direkt ablesen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tunnels führten uns wenige Schritte zum Jungferweiher. Die Location war wie geschaffen für ein malerisches Gruppenfoto.
Anschließend führte uns das Roadbook über herrliche Sträßchen in die Gemeinde Ernst bei Cochem zum Moselland Museum. Das Museum ist ein liebevoll eingerichtetes Heimat- und Nostalgie-Erlebnis, das Besucher auf eine Zeitreise in die 1950er und 1960er Jahre mitnimmt. Das 2017 eröffnete Privatmuseum befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Hotels und erstreckt sich über vier Etagen mit rund 1.600 m² Ausstellungsfläche. Es verbindet die Technikgeschichte des Weinbaus mit dem alltäglichen Dorfleben der Nachkriegszeit. Der Besuch des Museums war für uns optional. Allerdings zeigte die Uhr bereits halb drei. Deshalb zogen wir es vor, gleich unser spätes Mittagessen auf der herrlichen Terrasse einzunehmen.
Der knapp 80 Kilometer weite Rückweg zu unserem Hotel führte entlang der sanft geschwungenen Straßen, welche sich am Flusslauf der Mosel orientieren. Da wir unseren Besuch des Klosters Machern am Vortag canceln mussten und dieses Kleinod sich nun wieder direkt auf unserer Route befand, war es nur logisch, dass wir heute zumindest den Biergarten des Klosters aufsuchten. Allerdings durften wir dort nicht zu lange verweilen, denn wir hatten am Abend noch einen wichtigen Termin in Lieser.
Um 19:00 Uhr wurden wir im Weingut Stettler zu einer ausgedehnten Weinprobe erwartet. Unser „Präsi“, Günther Losacker, bedankte sich bei den Event-Organisatoren und überreichte als Zeichen unsrer Anerkennung einen Blumenstrauß und Kleidungsstücke aus der neuen Club-Kollektion.
Ein erfahrener Weinsommelier moderierte den Abend und stellte gekonnt die Reihenfolge der dargebotenen edlen Tröpfchen zusammen. Für eine gute Grundlage sorgte ein deftiges Weinbauern-Vesper.
Gerhard Stettler, der Senior-Chef des Weinguts, empfing uns im Verlauf des Abends im tiefen Weinkeller. Als ehemaliger Bürgermeister des Ortes wusste er viele interessante Anekdoten zu erzählen. Das regelmäßig wiederkehrende Hochwasser war nur eines der vielen Themen. Nach dem offiziellen Ende der Weinverkostung saßen einige von uns bis in den späten Abend auf der gemütlichen Terrasse des Weinguts und ließen das gelungene Event ausklingen, denn am nächsten Morgen hieß es nach dem Frühstück wieder Abschied nehmen – Abschied von der Mosel und Abschied von Clubmitgliedern und liebgewonnenen Freunden, die sich nunmehr seit mehr als zwanzig Jahren mehrmals pro Saison zu solchen und ähnlichen Events treffen.
Wir sollten nicht vergessen, dass unsere Events nur möglich sind, weil engagierte Clubmitglieder einen großen Teil ihrer Freizeit aufbringen, um die organisatorischen Vorbereitungen zu treffen. Diesmal geht unser spezieller Dank an Anja und Michael Fuchs, die mithilfe von weiteren ortskundigen Familienangehörigen das Mosel-Event auf die Beine stellten.
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Text: Uwe M. Zerrweck Fotos: Uwe M. Zerrweck Grafik: Hotel - Weinhaus Stettler,
Schloss Lieser